NOY 24/2019

Foto + Text: Jörg Oyen 01.2019


Das A und O im Nebel

Das Gute am Nebel ist, ist man erst mal drin, geht es langsam weiter. Die schlechte Sicht erfordert höchste Konzentration auf das Wesentliche. Akustische und Optische Signale werden zum A und O der Navigation. Und selbst diese sind auf ein Minimum ihrer Möglichkeiten reduziert. Licht und Schall kommen bei dichten Nebel nicht weit.

Auf Sicht arbeiten

In der digitalen Praxis schauen viele Beteiligte immer wieder mal auf eine Nebelwand. Mal entsteht die Wand wenn die Menge der unsichtbaren, aber wichtigen Tätigkeiten zur Aufrechterhaltung von Infrastruktur und Wartung überhandnimmt. Oft Routinearbeiten, die wenn eingespielt, ohne weitere Rückfragen lautlos versteckt in der Nebelwand im Hintergrund laufen. Diese entstehende Normalität wird zur Selbstverständlichkeit. Einfach als vorhanden angenommen und damit ausgeblendet. Wird die Menge und Umfang der unsichtbaren Tätigkeiten mehr, werden sichtbare Arbeiten ausgebremst.
  • Welche unsichtbaren Tätigkeiten, wie organisatorische Aufgaben kennt ihr, die der Kunde oder Auftraggeber nicht sieht? Schickt mir eine E-Mail. Danke
Wie also systemrelevante unsichtbare Tätigkeiten im Blick behalten und als Fundament für sichtbare Arbeiten berücksichtigen? Technologien und Begrifflichkeiten verändern sich. Ohne neu denken und lernen, nicht nutzbar. Im Umkehrschluss vernebelt sich mit der Zeit die Erinnerung an alte Systemkonfigurationen und das Wissen wo im Störfall einzugreifen ist, gerät aus dem Sichtfeld. Werden dann mit fortschreitender Entwicklung, Abläufe zusammengefasst und in "Blackboxen" ausgelagert, wird ein nachstellen alter Systemzustände und Abläufe zum Nachschauen und direkten nachvollziehen immer aufwendiger. Was da für eine gewisse Zeit helfen kann, sind Virtualisierungen. Der Zustand einer Entwicklung wird für interne Belange «eingefroren» und so vor den Veränderungen von außen isoliert.

Der Lösungsansatz «Stop», die unsichtbaren Tätigkeiten einstellen und darauf setzen das Warnlampen und Warnsignale automatisch alle Beteiligten aufmerken lassen, ja und wie geht es dann weiter? Wie lange ist ein «Stop» in der 24/7 Online Welt wirtschaftlich vertretbar?

Der Ansatz «Rollentausch» hilft beim Aufbau vom gegenseitigen Verständnis für das, was der andere macht. Aber wann ist dafür ausreichend Zeit? Wie tief geht man in die Themen?

Besser in regelmäßigen Abständen gemeinsam abgleichen und sich bewusst machen bis wohin sich eingespielte Routinen aka unsichtbare Tätigkeiten auf den verbleibenden Raum für Planung und Ausführung und damit sichtbare Arbeiten auswirken.

Ohne Rückmeldung und Austausch kein Fortschritt und keine Verbesserung.